Grand Cru

Altenberg von Bergbieten

BERGBIETEN

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Sesterzen und Silbermünzen wurden auf diesem Boden gefunden. Was aber seinen wahren Reichtum ausmacht, sind die leuchtenden Weine, die er hervorbringt und die bereits die merowingischen Könige und den deutschen Kaiser begeisterten!

  • Art des Bodens

    Tonmergelig-gipshaltig

  • Lage

    Süden, Südosten

  • Gemeinde

    BERGBIETEN

  • Altitude

    zwischen 210 und 265 m

Grand Cru Altenberg von Bergbieten

Die Weine

Die Weine vom Altenberg wählen nicht zwischen Finesse und Kraft: Sie bringen sowohl Intensität als auch Eleganz zum Ausdruck. Nach zweijähriger Lagerung offenbaren sie sich ganz selbstverständlich durch eine Salzigkeit, die für diesen Cru charakteristisch ist. Auf diesem gipshaltigen Terroir produzieren die Weinbauern grosse trockene Rieslinge.

Die Verbindung mit dem Terroir

Die Besonderheiten der Weine

Die Weine vom Altenberg in Bergbieten besitzen eine gleichmässig strukturierte und massive Säure, die auf den Schleimhäuten oben im Mund spürbar ist und den Weinen eine Art Welligkeit verleiht. Die vollen und tiefen Weine werden von einer eleganten Struktur und einem äusserst bekömmlichen Gleichgewicht getragen. Ihre Länge im Mund ist bemerkenswert: Man erkennt die Weine an ihrer grossen Schmackhaftigkeit, ihrem lang anhaltenden Aroma und der Präsenz von Tanninen im Abgang.
Die Rieslinge sind besonders salzig, während sich die Gewürztraminer in ihrer Jugend durch die Noten reifer Früchte auszeichnen und mit dem Alter eine blumigere Aromenpalette entwickeln, dabei aber dennoch eine gefällige Säure bewahren.

Das üppige Terroir dieses Cru vereint Grosszügigkeit mit Kraft.

Seine markante Materie umhüllt eine kräftige Säure, die dem Wein seinen besonderen Charakter verleiht. Das Volumen im Mund entwickelt sich mit Dichte, um eine feine rauchige und für den Gipsstein des Altenbergs von Bergbieten typische Mineralität zum Vorschein zu bringen.
Der Riesling entwickelt sein Potenzial mit Charisma und Eleganz, der Muscat zeigt sich frisch, geprägt von einer salzigen Intensität, Pinot Gris und Gewürztraminer verfügen über eine konzentrierte Materie, die dem Verkoster ein grosszügiges, aber dennoch stets bekömmliches Volumen bietet.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

Wählen und servieren

Die Jahrgänge

  • 2011: Sehr schöner Jahrgang mit hoher, aber nicht exzessiver Reife.
  • 2010: Spätreifer Jahrgang, "durch Botrytis farbintensive Weine," sehr grosse Frische, eine aktuell schöne Entwicklung.
  • 2009: Frühreifer und heisser Jahrgang, sehr kräftig. Die Rieslinge sind trocken und nervös, die Gewürztraminer lieblicher mit einer überraschenden Frische. Die Nachsaison mit viel Nebel ermöglichte die Produktion sehr schöner Vendanges Tardives.
  • 2008: Sehr klassischer, recht spätreifer Jahrgang. Die Rieslinge sind trocken und straff, Pinot Gris und Gewürztraminer sind dagegen lieblicher aber sehr bekömmlich.
  • 2007: Frühreifes Jahr, was den Zuckergehalt angeht. Für eine aromatische Reife der Trauben wurde die Weinlese jedoch hinausgezögert. Die Rieslinge sind reichhaltig (auf dem Altenberg von Bergbieten jedoch stets trocken). Die Nachsaison hat wunderbare Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles hervorgebracht.
  • 2006: Schwieriges Jahr, in dem die Niederschläge im September einen frühen Botrytis-Befall begünstigt haben.
  • 2005: Herausragender Jahrgang mit perfekter Ausgewogenheit, sowohl für die trockenen Rieslinge als auch für die halbtrockenen Pinot Gris und Gewürztraminer. Die feuchtere aber dennoch niederschlagsarme Nachsaison führte zur Produktion sehr schöner Vendanges Tardives oder Sélections de Grains Nobles. Die Mineralität gibt den Ton an.
  • 2004: Spätreifer, sehr subtiler Jahrgang, der bereits jetzt ein interessanter Genuss ist.
  • 2003: Jeder erinnert sich an die Hitzewelle, und doch hat der Altenberg seinen Weinen eine überraschende Ausgewogenheit geschenkt: Die Weine sind nicht platt, im Gegenteil: Sie bringen sogar Frische mit.
  • 2002: Eher spätreifer Jahrgang mit klassischen Weinen. Die vor November geernteten Vendanges Tardives sind sehr gelungen.
  • 2001: Sehr interessanter Jahrgang mit klassischer Reife und klassischen Erntedaten. Man findet in ihnen die übliche Ausgewogenheit. Die Alterung dieser Weine ist jedoch überraschend, sie vermitteln ganz offensichtlich die Identität und den Charakter des Altenbergs. 

Eine vier bis sechs Jahre lange Lagerung tut diesem Cru gut, beim Muscat ist eine Lagerzeit von zwei bis drei Jahren ausreichend. Diese Latenzzeit ermöglicht der Materie, sich zu verfeinern, und der Mineralität, mit dem Ganzen zu verschmelzen.
Bei frühreifen Jahrgängen: Die volle und grosszügige Materie bringt einen Hauch von Exotik und einen saftigen Charakter zum Ausdruck. Die Mineralität erinnert an heisses Gestein oder gar Aschegestein.
Bei spätreifen Jahrgängen: Ein salziger Geschmack, der an Kiesel und Feuerstein erinnert, ergänzt die aromatische Vielfalt. Die Säure ist stärker präsent, der Wein ist jedoch auch runder und ausgeglichener, was ihm ermöglicht, ein neues Gleichgewicht für sich zu entdecken.


Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

Die harmonischsten Verbindungen von Wein und Speisen

Der trockene Riesling passt hervorragend zu den traditionellen Gerichten der elsässischen Küche: Sauerkraut mit Fleisch oder Fisch, Hahn in Rieslingsosse, Fluss- oder Meeresfische, ob einfach gebraten oder in Sosse zubereitet.

Wenn es einmal etwas weniger klassisch sein soll, kann man ihn ebenfalls mit Ziegenkäse oder einem alten Parmesan servieren.

Der Gewürztraminer begleitet süss-saure asiatische Gerichte (Schweinefleisch in Karamellsosse, Orangenente) oder Speisen von den Antillen (Hähnchengeschnetzeltes mit Mangos und Kokosmilch) mit Eleganz und Charakter. Er verträgt sich ebenfalls sehr gut mit scharfen Gerichten wie mariniertem Lachsfilet mit Kardamom.

Die Vendanges Tardives und Sélections de Grains Nobles schmecken ausgezeichnet als Aperitif oder mit Foie gras, können aber auch zu Obst-, Karamell- oder Vanilledesserts gereicht werden.
Alle Altenberg-Weine lassen sich auch hervorragend allein geniessen, unter Freunden, egal ob Kenner oder Amateure grosser Terroir-Weine.

Mit diesem Grand Cru erzeugt die deutlich präsente aber dennoch nicht dominierende Mineralität ein Gefühl der Bekömmlichkeit, die viele verschiedene Kombinationen zulässt. Wenn Meeresfische mit festem Fleisch wie Seeteufel oder Barsch, besonders wenn sie gebraten sind, den Wein perfekt begleiten, so sind Innereien wie Kalbsbries oder Nieren ebenfalls einen Versuch wert. Auf Sojabasis gewürzte Zubereitungen können auch die kühnsten Gourmets verblüffen und begeistern.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

Grand Cru Altenberg von Bergbieten

Das Terroir

Die Natur

Die originelle Zusammensetzung dieses Terroirs macht aus dem „alten Berg“ einen bemerkenswerten Cru. Der Gipsstein begünstigt hier die Finesse der Weine, die gleichzeitig von dem Kraft und Struktur verleihenden Mergelgehalt des Bodens profitieren. Seine Lage in einer offenen Landschaft ermöglicht eine optimale Sonneneinstrahlung und somit eine gleichmässige Reife der Weinbeeren.

Ort

Der Grand Cru befindet sich im Herzen eines weiten natürlichen Amphitheaters im Norden des Elsässer Weinbaugebiets in der Gemeinde Bergbieten, die inmitten der 19 Gemeinden des Gemeindeverbands Couronne d‘Or liegt. Das Terroir wird von den sandsteinhaltigen Nordvogesen und im Osten vom Hügel Scharrach abgegrenzt, der es von der Elsässischen Ebene trennt. Von seinen sanften Hängen aus kann man die Gipfel des Donon, des Rocher de Mutzig im Westen und des Scharrach im Osten erkennen. Nur die oberen Parzellen des 265 m hohen Hügels tragen die Bezeichnung Grand Cru. 

Boden

Der Grand Cru besteht aus extrem tonreicher, kalkhaltiger Braunerde mit Gipsstein. Zum 265 m hohen Gipfel hin enthält der Boden mehr Kalk- und Dolomitgeröll. Das Dolomitgestein reichert den Boden mit Magnesium an und unterstützt so die ausgewogene Nährstoffversorgung der Weinstöcke. Der reichlich vorhandene rötlich, grün oder grau schillernde Mergel bildet im Frühling hydromorphe Vertisole.
Im Laufe des Sommers rinnt der Gewitterregen die steilen Hänge hinunter. Im Spätsommer trocknet der Boden dann aus, was für eine gute Reife der Trauben von Vorteil ist. Die Risse, die sich im Laufe des Sommers im Boden bilden, ermöglichen eine tiefe Verwurzelung der Rebstöcke. 

3>Mikroklima

Die süd-südöstliche Ausrichtung des Altenbergs ist ideal und schützt ihn vor den Nordwinden. Im Westen schirmen ihn die Vogesen von den vom Ozean heranziehenden Niederschlägen ab. Gleichzeitig sorgt seine Lage in einer offenen Landschaft in einem riesigen Gebirgskessel den ganzen Tag lang für eine optimale Sonneneinstrahlung. Die Sonnenstrahlen garantieren eine gleichmässige physiologische Reife der Weintrauben in der Parzelle. 

Rebsortenbestand

Riesling und Gewürztraminer stehen auf dem Altenberg von Bergbieten unangefochten an erster Stelle und machen gemeinsam fast 95 % der bewirtschafteten Rebfläche aus.
Die beiden anderen zugelassenen Rebsorten belegen einige Parzellen, sie spielen jedoch nur eine marginale Rolle.

Die Menschen

Aus zahlreichen Gründen ist dieser Grand Cru ein kostbarer Schatz, der mit grösster Sorgfalt gepflegt und gehegt wird. Wie die meisten der Gemeinden des Gemeindeverbands Couronne d’Or hat sich Bergbieten dank des Interesses der merowingischen und karolingischen Könige entwickelt. Danach übernahmen die Ordensgemeinschaften die Verwaltung von Bergbieten, bis der Ort den Winzern schliesslich während der Revolution zurückgegeben wurde. Von da an bemühten sie sich, aus dem Altenberg von Bergbieten dank der Nähe zu Strassburg und dem Rhein einen in vielen Ländern berühmten Grand Cru zu machen. Heute streben die Anbaupraktiken nach dem besten Ausdruck dieser prominenten Qualität.

Die Weitergabe eines Erbes

Im Elsass sind die Lieux-dits mit der Bezeichnung „Altenberg“ - also alter Berg - Weinberge, die seit Menschengedenken für den Weinbau genutzt werden.
Das Lieu-dit von Bergbieten wurde bereits im 11. Jahrhundert in den Archiven erwähnt. Es gehörte abwechselnd den Ordensgemeinschaften und dem Bistum Strassburg, bevor es 1789 wieder in den Besitz der Winzer überging.
In den Archiven von Papst Leo IX. lieferten die Winzer von Traenheim, die Rebflächen am Altenberg bewirtschafteten, dem Kloster Hesse in Lothringen im Jahr 1050 sechs „Karren Wein“.
Einem Zitat von Perrin zufolge besass das Kloster Marmoutier bereits im 11. Jahrhundert Rebflächen in Bergbieten (Blottenheim).
Zwischen 1138 und 1141 schenkte der Probst Buchard von Haslach, der spätere Bischof (von 1141 bis 1162), Bergbieten 6 „Aecker vineti sis“.
In den Verdienstregistern des Domstifts von Strassburg (1499), Besitzer eines Dinghofs in Bergbieten, werden Rebflächen im Lieu-dit Altenberg erwähnt.

Über die Jahrhunderte hinweg wahrte der Weinberg von Bergbieten seinen guten Ruf, der auch über die Grenzen des Elsass hinaus reichte. Bei der Einweihung des Militärlagers in Mutzig 1894 fragte Kaiser Wilhelm II. bei der Verkostung eines Rieslings vom Altenberg, woher der Wein stamme. Als der Verwalter Ellensohn ihm mit einer Geste den Weinberg von Bergbieten zeigte, forderte der Kaiser, dass dieser Weinberg respektiert und geschützt werde.

Seither hat die Bearbeitung des Bodens den Winzern einige positive Überraschungen beschert. Am 13. März 1895 stiess der Schmied Emile Huber beim Umgraben der Erde seiner paar Morgen Rebfläche auf etwas Hartes. Er fand zwei Vasen aus Terrakotta, die einen wahren Schatz enthielten: 7 000 Silbermünzen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, auf deren Rückseite eine Kirche, ein Engel, ein Lamm und ein Adler abgebildet waren. Diese aussergewöhnliche Sammlung Silberpfennige, deren Herkunft ein Rätsel bleibt, wurde von deutschen Museen gekauft und ist heute in Berlin zu sehen.

>Einige Jahre später fand ein Winzer vom Altenberg eine Urne voller Sesterzen mit dem Abbild des römischen Kaisers Cäsar.

Der wahre Schatz der Couronne d’Or liegt jedoch nicht zehn Fuss tief unter der Erde! Es ist die Erde selbst, die sich als echtes Juwel erweist: Sie wurde 1983 prämiert und mit der Bezeichnung Alsace Grand Cru ausgezeichnet.

Die Liebe zum Weinberg und zur Erde

Die Winzer und Weinbauern vom Altenberg sind sich der Einzigartigkeit ihres Terroirs bewusst und haben sich für dessen Erhalt durch umweltfreundliche Agrarpraktiken entschieden:

  • Lediglich auf den Rebzeilen darf das Unkraut bekämpft werden.
  • Die Verwendung von Herbiziden vor dem Auflaufen ist verboten.
  • Die Nutzung von Botrytismitteln ist ebenfalls untersagt.
  • Lediglich eine zurückhaltende Düngung ist erlaubt und auf 30 Einheiten pro Hektar und Jahr begrenzt.

Die Weinreben sind erst nach dem siebten Jahrgang berechtigt, Weine mit der Bezeichnung Grand Cru zu produzieren, da die Wurzeln den Winzern zufolge diese Zeit benötigen, um den Gipsstein im Boden zu erreichen.
Die Winzer vom Altenberg haben sich im Übrigen auf eine Begrenzung des Restzuckergehalts auf 9 g/l für den Riesling geeinigt. Diese lokale Charta wurde 2001 unterzeichnet und zielt deutlich auf den Schutz der Typizität der Rieslinge vom Altenberg in Bergbieten ab, die sie als grosse trockene Weine präsentiert.