Grand Cru

Kastelberg

Andlau

Die Weine dieses Terroirs bringen ihre Geradlinigkeit und soviel Schliff zum Ausdruck wie der Schiefer, aus dem es besteht. Hier sind die Rieslinge strukturiert und von seltener Präzision.

  • Art des Bodens Schiefrig
  • Fläche in Hektar 5,82
  • Lage Südosten
  • Gemeinde Andlau
  • Altitude 240 bis 300 m
  • Rebsortenbestand (in % nach Rebsorte)
    • Riesling 100%
    • Riesling 100%
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Grand Cru Kastelberg

Die Weine

Die Weine vom Kastelberg besitzen eine solide und gerade saure Struktur, ein sehr breites Volumen und eine erstaunliche Länge am Gaumen. Sie sind die perfekten Lagerweine.

Die Verbindung mit dem Terroir

Die Identität dieses Terroirs beruht auf seiner Struktur von seltener Präzision.

Auf diesem kristallinen Terroir herrscht der Riesling. Ein Hauch von Graphit und Stein prägt die Mineralität der Weine. Die natürliche Spannung der Rebsorte vereint sich harmonisch mit der Säure des Terroirs, um die ganze Finesse dieses Bodens zum Ausdruck zu bringen und die Reinheit in einem langen Abgang explodieren zu lassen.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet 

Wählen und servieren

Jahrgänge und Lagerung

Das Terroir entfaltet sich nach vier- bis fünfjähriger Lagerung. Selbst bei den jungen Weinen spürt man die Finesse der Struktur, eine mehrjährige Lagerzeit ermöglicht eine Harmonie, die das ganze Potenzial und die Präzision offenbaren, die dieser Cru zu produzieren fähig ist.

Bei frühreifen Jahrgängen: Ein grosszügigeres Fruchtmark hinterlässt oft eine zuckrige Zartheit, die die Finesse des Weines betont. Die Mineralität bringt heissen Stein oder Schiesspulver zum Ausdruck.

Bei spätreifen Jahrgängen: Eine gespanntere Struktur erzeugt einen stärkeren Eindruck von Nervosität, bewahrt aber eine ziselierte und präzise Materie. Die Länge am Gaumen drückt eine schlanke Mineralität aus, die von Geräuchertem geprägt wird und die Speichelbildung anregt.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet  

Die Harmonie von Wein und Speisen

Die allgemeine Finesse der Weine ermöglicht viele Kombinationen. Fisch in Sosse, egal ob aus Meer oder Fluss, findet seine Ausgewogenheit, da die natürliche Säure der Weine den Mund erfrischt. Der Geschmack von Krustentieren wird von der Mineralität der Weine, insbesondere in der Länge, verstärkt. Der ziselierte Charakter erlaubt auch der asiatischen Küche mit Gerichten auf Basis von rohem Fisch und Algen, ihre ganze Finesse preiszugeben.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

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Grand Cru Kastelberg

Das Terroir

Die Natur

Der Kastelberg, ein Gesteinsblock im Steiger Schiefer, legt eine grosse geologische Einheitlichkeit an den Tag. Dieses sehr harte, schwarze Gestein zwingt die Wurzeln, sich tief im Boden und Untergrund zu verankern, was zu Weinen mit einer starken Persönlichkeit führt.

Ort

In der kleinen Gemeinde Andlau leisten sich drei Grands Crus Gesellschaft: der Wiebelsberg, der Moenchberg und der mit 5,82 ha flächenmässig kleinste der drei, der Kastelberg.

Wie so oft im Elsass spielt auch hier die Häufung zahlreicher Faktoren in einem kleinen Gebiet eine entscheidende Rolle. Das Terroir ist hier nicht nur sehr stark der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, sondern befindet sich auch an einem Steilhang mit einer Neigung von stellenweise bis zu 45°. Die Weinbauern haben diese starken Gefälle durch die Anlage vieler kleiner Terrassen, die von Trockenmauern gehalten werden, nutzbar gemacht. 

Boden

Das Terroir zeichnet sich durch eine fast perfekte geologische Einheitlichkeit aus. Es ruht auf Schiefer, der sich durch Metamorphose zu einem sehr harten Gestein entwickelt hat und sehr steinige und gut drainierte Böden ergibt. Die lamellenförmigen Schieferfelsen ermöglichen eine tiefe Verwurzelung, die selbst in trockenen Jahren für eine normale Lebenskraft günstig ist. Die aus dem Silur stammende Erdformation zählt zu den ältesten überhaupt. Das Gestein besteht aus Quarz, Glimmer und Chlorit. 

>Im oberen Bereich des Kastelbergs sind stellenweise einige Granitaufschlüsse sichtbar und der Boden am Fuss des Hangs ist reichhaltiger und der Anstieg weniger steil.

Mikroklima

Hier überschneiden sich Vogesen- und Rheinbruch, der Kastelberg befindet sich direkt auf der Erhebung über der elsässischen Ebene an der Einmündung zum Tal von Andlau. 

Durch das Bergmassiv Champ du Feu wird er vor den frischen Meereswinden geschützt, von den Nordwinden schirmt ihn der Berg Crax ab. Sein sehr steiler Hang in süd-/südöstlicher Lage ermöglicht ihm eine maximale Sonneneinstrahlung. Zudem wärmt sich sein dunkler Boden aus Steiger Schiefergestein besonders im Frühling gut auf.

Rebsortenbestand

Die Rebsorte, der die Struktur des Schiefers am besten gefällt und die dessen Ausdruck am raffiniertesten vermittelt, ist der Riesling.

Die Menschen

Auch wenn dieser Grand Cru durch seine Geografie und sein Klima einen anspruchsvolle Bewirtschaftung erfordert, entfacht er wie selbstverständlich Leidenschaft und eine unvergängliche und absolute Verbundenheit.

Die Weitergabe eines Erbes 

Christophe Reibel (Synvira) erläutert den Zusammenhang zwischen der Vergangenheit des Kastelbergs und der gegenwärtigen überaus lebendigen Präsenz der Winzer: „Die Römer hatten hier Weinstöcke gepflanzt. Ein Dokument erwähnt die Bereitung grosser Weine in diesem Terroir bereits ab dem Jahr 1064, ohne Zweifel weil einer der berühmten Konsumenten seiner Weine in der damaligen Zeit kein Geringerer war als Papst Leo IX., der aus der Weinproduktion der Abtei Andlau beliefert wurde, die unter seiner direkten Herrschaft stand. 1850 war der Kastelberg das erste Terroir von Andlau, dessen Name auf einem Flaschenetikett stand.“ 

Jean-Louis Stoltz (1777-1869) war nicht der letzte, der sich aufgrund der Einzigartigkeit seines Bodens und seines Rebsortenbestands für diesen Cru interessierte. Das ehemalige Sanitätsoffizier der Streitkräfte der Republik verbrachte ab 1820 einen goldenen Ruhestand in Andlau. Seine Leidenschaft für den Wein und den Kastelberg liess ihn verschiedene Rebsorten testen, aus denen der Riesling als einziger Sieger hervorging. Seine Leidenschaft war es auch, die ihn zum Kauf von Parzellen am Kastelberg antrieb, damals Eigentum der Abtei Andlau. Auf einer dieser Parzellen erbaute er auf halbem Hang ein kleines Haus mit Kapitellen und Säulen, von dem heute nur noch die Fundamente zu sehen sind. Das „Chalet“, wie die Leute des Cru es nannten, wurde zu einem Ort der Ruhe, der für wissenschaftliche Beobachtungen und zum Schreiben genutzt wurde. Dort verfasste Jean-Louis Stoltz den Grossteil seiner Ampelografie, die 1852 veröffentlicht wurde.

>Das Werk bleibt bis heute das einzige Verzeichnis der verschiedenen Rebsorten und Pflanzensorten, die im Rheintal wachsen. Das Elsässer Weinbaugebiet verdankt diesem begeisterten Weinbauern die Züchtung seines Rieslingstammes sowie die Erfassung und Klassifizierung seiner besten Terroirs, ein Werk, das über ein Jahrhundert später eine zentrale Rolle bei der Festlegung der Rangfolge der Herkunftsbezeichnungen Alsace und Alsace Grand Cru gespielt haben. Als Nachfolger seines Vaters führte Alexis Stoltz das Familienwerk weiter und kaufte dank seines Vermögens, das er als bevorzugter Geburtshelfer der einflussreichsten Damen Europas angehäuft hatte, Rebflächen auf dem Kastelberg. Da er keinen Erben hinterliess, schenkte er der nach ihm benannten gemeinnützigen und humanitären Stiftung etwas mehr als einen Hektar des Kastelbergs, der auch heute noch im Besitz der Stiftung ist. 

In der jüngeren Geschichte, genauer gesagt in den 1960er Jahren, die von der Demokratisierung der sonntäglichen Landausflüge der Städter geprägt waren, wurde der Riesling vom Kastelberg gern in den Andlauer Restaurants als offener Wein serviert, dessen Namen man nicht nannte. Diese Zeit der Anonymität ist vorbei! Seit den frühen 1980er Jahren haben die Winzer des Grand Cru unter dem Einfluss der von der Bruderschaft Confrérie des Hospitaliers du Haut d‘Andlau organisierten Weinbergbesichtigungen dieses Kulturerbe neu entdeckt.