Grand Cru

Pfingstberg

Orschwihr

Ein luftiges Gefühl und eine grosse, ausdrucksstarke Geradlinigkeit zeichnen die Weine dieses Terroirs aus. Ähnlich dem wunderschönen Vogel, der hier Unterschlupf gefunden hat: dem Wiedehopf.

  • Art des Bodens Kalkmergelig-sandsteinhaltig
  • Fläche in Hektar 28,15
  • Lage Südosten
  • Gemeinde Orschwihr
  • Altitude 270 bis 370 m
  • Rebsortenbestand (in % nach Rebsorte)
    • Riesling 51%
    • Gewurztraminer 27%
    • Pinot Gris 21%
    • Muscat 1%
    • Riesling 51%
    • Gewürztraminer 27%
    • Pinot Gris 21%
    • Muscat 1%
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Grand Cru Pfingstberg

Die Weine

Auf diesem Terroir sind die aromatischen Ausdrücke nie überschwänglich. Die Weine sind am Gaumen an ihrer eleganten Materie und ihrer sehr vertikalen Struktur erkennbar.

Die Verbindung mit dem Terroir

Dieser Grand Cru kann als „vertikal“ bezeichnet werden.

Ein luftiges Gefühl und eine grosse, ausdrucksstarke Geradlinigkeit zeichnen die Weine dieses Terroirs aus. Ihre strukturierende Frische verleiht ihnen Schwung, sie explodieren durch ihre mineralischen Noten, die an heisse Steine erinnern. Ein rauchiger Hauch, der bereits in der Nase präsent ist, macht ihre aromatische Silhouette noch komplexer.

Alle Rebsorten dieses Grand Cru besitzen diese bemerkenswerte Typizität. Muscat und Riesling sind ziseliert und frisch. Der Pinot Gris, eine Rebsorte, die sich von Natur aus durch eine rauchige Note auszeichnet, offenbart mit Relief die Aschenote des Terroirs. Der luftige Ausdruck der Weine ermöglicht dem Gewürztraminer, seine aromatischen Vorzüge mit viel Eleganz zu entfalten, selbst bei einer reichhaltigen Materie.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

Wählen und servieren

Lagerung und Jahrgänge

Die Crus vom Pfingstberg beweisen ein beeindruckendes Alterungspotenzial. Ihre Fähigkeit, über jedes Alter hinweg konzentriert und gespannt zu bleiben, verleiht ihnen eine Art Zeitlosigkeit.

Einige Jahrgänge

2006: Der Wein begeistert durch seinen würzigen und mineralischen Charakter. Geschmacklich ist er komplex, bewahrt aber ein ziseliertes Gerüst, das von Frische und Mineralität geprägt wird. Ein rassiger Wein mit einer schönen Länge. Jenen, die geduldig auf diesen feinen Jahrgang gewartet haben, zeigt sich der Wein als wunderbar und köstlich.

2007: Ein oft reichhaltigerer Wein mit stärker kandierten Noten, aber stets mit der Ausgewogenheit des Pfingstbergs. Sie sind nicht überschwänglich, sondern tief und dicht. Ein kristalliner Jahrgang!

2008: ein Wein mit kandierten Noten, der nicht in den Überschwang verfällt. Der Gaumen zeigt sich dicht und gedrungen zugleich. Seine hübsche Säure verleiht ihm Relief und Länge. Ein Wein in der Entstehungsphase, den es um 2018 zu entdecken gilt.

2009: ein sonniger Jahrgang, der kräftige Weine mit einer hübschen aromatischen Komplexität und einer grossen Länge am Gaumen hervorgebracht hat. Dieser noch junge Jahrgang beginnt sich zu entfalten.

2010: ein prächtiger, reiner Jahrgang mit hübschen Weinsäuren. Trockene Weine mit grossem Lagerpotenzial.

Tipp

Unabhängig von der Rebsorte sollten die Weine vom Pfingstberg eine halbe Stunde vor dem Servieren dekantiert werden, damit sie ihr volles Potenzial entfalten können.

Die Jahrgänge

Nach vier bis fünf Jahren vereint sich die Kombination aus den Noten von heissem Stein und Asche perfekt mit der luftigen Materie des Weines. Die Weine vom Pfingstberg können jedoch über zehn Jahre gelagert werden.

Bei frühreifen Jahrgängen: Der Gaumen zeigt sich volumenreicher, ohne an Ausgewogenheit einzubüssen, und verleiht der Fülle am Gaumen einen Geschmack von Honig.

Bei spätreifen Jahrgängen: Das Fett des Weines bietet mit Raffinesse die üppigen Noten verschiedener Blumen, die Struktur wirkt speichelbildend.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

Die harmonischsten Verbindungen von Wein und Speisen

Die Weine dieses Grand Cru können dank ihrer einzigartigen Mineralität mit gebratenem oder fettfleischigem Fisch serviert werden. Die Gerichte der mediterranen Küche, die Gemüse mit Olivenöl kombinieren, schaffen eine wunderbare Harmonie mit den rauchigen Noten. Pinot Gris und Gewürztraminer passen hervorragend zu Frischkäse- oder Hartkäsesorten.

Romain ILTIS
Mit den Titeln „Meilleur Sommelier de France 2012“ und „Meilleur Ouvrier de France 2015“ für den besten Sommelier bzw. Handwerker Frankreichs ausgezeichnet

Einige Beispiele für harmonische Verbindungen von Wein und Speisen:

• Riesling Grand Cru Pfingstberg (trocken): Durch seine mineralischen Noten kommen eine Pfanne mit Jakobsmuscheln nach Art von Rossini, überbackene Austern, Sushi oder Sashimi und gebratener Fisch ganz gross raus. Am Ende der Mahlzeit begleitet er Ziegen- und Schafkäse, Greyerzer, alten Comté und Cantal. Man kann ihn ebenfalls zum Aperitif mit Algentatar- oder Lachsschnittchen reichen. Einfach himmlisch!


• Pinot Gris Grand Cru Pfingstberg (trocken): hervorragend zu Landgeflügel.


• Pinot Gris Grand Cru Pfingstberg (halbtrocken): perfekt mit einer reichhaltigeren, süss-sauren Küche oder Gerichten im Teigmantel. Unbedingt mit einer frischen Pilzpfanne testen.

Pfingstberg
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Grand Cru Pfingstberg

Das Terroir

Die Natur

An seinem oberen Ende sorgt der Gipfelwald des Pfingstbergs für eine gute Wasserversorgung, die die Klimaschwankungen abmildert. Sein stark drainierender Sandsteinboden verhindert im Übrigen ein Zuviel an Wasser und speichert die Wärme. Die aussergewöhnliche Lichteinwirkung erlaubt schliesslich eine langsame, aber konstante Reifung der Weinbeeren. Die Weine dieses Terroirs sind gleichmässig und reagieren nur geringfügig auf Schwankungen zwischen den Jahrgängen.

Ort

Der Pfingstberg auf dem Hügel von Orschwihr schmiegt sich an die Vogesen. Er wird durch ein kleines, von einer bedeutenden Verwerfung durchquertes Tal vom Hügel des Bollenbergs getrennt. Der Grand Cru in südöstlicher Lage umfasst 28,15 Hektar in einer Höhe zwischen 270 und 370 Metern an steilen bis sehr steilen Hängen, die stellenweise die Anlegung von Terrassen erfordert haben.

Boden

Der Grund des Pfingstbergs ruht auf Muschelkalk oder Muschelsandstein. Je näher man dem Gipfel des Hügels kommt, desto leichter wird der Boden durch den steigenden Anteil an Vogesensandstein. Im oberen Bereich des Terroirs haben wir also eine saure, sandsteinhaltige Braunerde, im unteren Teil eine kalzium-, sand- und tonhaltige Braunerde. Am Fuss des Hangs befindet sich schliesslich eine Schicht aus äolischem Schluff oder Löss.

3>Mikroklima

Durch seine Lage in der Nähe des Vogesenwaldes und seine relativ hohe Lage ist der Pfingstberg ein spätreifes Terroir. Das Vogesenmassiv schützt ihn sehr gut vor den Westwinden. Seine geografische Lage im Süden des Elsass sorgt jedoch für eine höhere Niederschlagsmenge, die auf die Nähe zur Senke von Belfort zurückzuführen ist. Das gleicht das niedrige Wasserspeichervermögen des überwiegend sandigen Bodens aus.

Die nicht übermässige Kraft der Weinstöcke ermöglicht in Kombination mit der späten Reife der Weintrauben einen verzögerten Grauschimmelbefall, der sich oft in Edelfäule verwandelt.

Rebsortenbestand

In diesem feuchten Klima fühlen sich oben am Hang insbesondere Riesling und Muscat sehr wohl. Der untere Teil jedoch ist tonreicher mit tieferen Böden. Hier dominieren Gewürztraminer und Pinot Gris.

Die Menschen

Die Geschichte dieses alten Weinbergs reicht bis in das Mittelalter zurück. Heute wird er gehegt und gepflegt, um mit Rücksicht auf die Natur Weine von grosser Qualität zu erhalten. Auch auf dem Weinlehrpfad, der sich durch den Weinberg windet, offenbart sich dem Besucher die ganze Schönheit und der Reichtum dieses Grand Cru.

Die Weitergabe eines Erbes

Der kleine Ort im Departement Haut-Rhin geht unter dem Namen Otalesviler in die Geschichte des Weinbaus ein. Eine Schenkung des Grafen Eberhard an die Abtei Murbach um 735-737 nannte die Domaine als einen Ort, an dem Kloster, Abteien, Priorate und andere geistliche Institutionen sich das Weinbaugebiet teilten. Das Kloster Eschau besass hier 1060 seine Rebparzellen, die Abtei Ebersmunster 1242 und das Kloster Sankt Maria Magdalena von Basel 1272.

Der Name Pfingstberg erscheint in einem Kaufvertrag von 1282 in der Schreibweise „Phinisberge“ und einige Jahre später, 1299, in einer Schenkung des Ritters Richard von Epfig an das Kloster Unterlinden als „Pfinkerstberge“. Der Bischof von Strassburg, unter dem Ancien Régime der grösste Rebflächenbesitzer im Elsass, bewirtschaftete den oberen Teil des Pfingstbergs unter dem Namen „Lippelsberg“ bis zur französischen Revolution. Die Weine dieser Weinbaufläche profitieren von einem sehr guten Ruf, der bereits ab 1287 in den Annalen festgehalten wurde!

Der Alltag war von den saisonbedingten Anbaukulturen und den religiösen Bräuchen bestimmt. Die Menschen baten die Heiligen um den Schutz der Ernte. Sankt Urban, dessen Statue noch heute auf der Pfarrkirche thront, wurde über die Hänge getragen, damit er den Weinberg vor Frost und Epidemien schützt.

Die Gründung der Fabriken von Guebwiller, die Industrialisierung von Mulhouse und die Bewirtschaftung der Kalibergwerke fingen grosse Teile der ländlichen Arbeitskräfte auf, die unter den Schwierigkeiten der elsässischen Weinwirtschaft im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts litten. Während dieser Zeit verlor der Weinbau in Orschwihr stark an Bedeutung. Sein Weinberg, einer der ältesten im Elsass, erlebte erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine wahre Wiedergeburt.

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Ab den 1960er Jahren folgten die Winzer von Orschwihr dem Trend, der die ganze Elsässer Weinwirtschaft gepackt hatte. Mit grösster Sorgfalt restaurierten sie ihr Winzererbe. Sie errichteten Mauern, um das Gefälle der Hügel zu zähmen, sie wählten Rebsorten und Unterlagen mit der festen Bestimmtheit aus, ihren Weinen deren alten Glanz zurückzugeben. Heute ist die Wiedereroberung des Weinbergs abgeschlossen. Der Pfingstberg hat sich zur Familie der renommierten Elsässer Terroirs gesellt.

Victor CANALES
Synvira

Die Liebe zum Weinberg und zur Erde

Für den Grand Cru Pfingstberg werden aktuell mehrere Umweltprojekte geprüft, insbesondere ein Projekt der vollständigen Aufgabe der Botrytis- und Schädlingsbekämpfung. Seit mehreren Jahren begrünen die Winzer zudem die Vorgewende und halten die Mauern instand. Diese Aufwertung der Umwelt geht mit der Organisation touristischer Führungen über den Weinlehrpfad, der den Grand Cru durchquert, in Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsbüro von Guebwiller einher.